Ich bin noch etwas misstrauisch, aber nach dem Malen geht es mir im Moment
wesentlich besser. Die Anmerkungen des Therapeuten zur Kunsttherapie haben
mir sehr viel gebracht, da ich mich vorher gefragt habe, was denn das
Besondere - z.B. neben Gesprächen und Schreiben - daran ist. Jetzt ist es
mir entschieden klarer auch durch: 'Gedanken laufen nacheinander ab,
Kunstwerke lassen deren gleichzeitige Darstellung zu'. Ich finde, das
ist ein äußerst wichtiger Aspekt.
Bei komplexen Vorgängen und gerade auch bei
widersprüchlichen Situationen, Gefühlen und Gedanken scheint es die Seele
zu beruhigen, sie auch nebeneinander darstellen zu können, wie es auch der
Wirklichkeit entspricht. Worte kommen nicht nach, da sie immer nur
nacheinander ausgesprochen werden können und die subjektive Wirklichkeit
für den Erzähler nur unbefriedigend abgebildet werden kann.
Bei der bildlichen Darstellung kann man aber nicht
nur unterschiedliche Gedanken und Gefühle ausdrücken, sondern auch
innerhalb eines Bildes verschiedene Perspektiven einnehmen, wie 'Drauf-
Vorder- und Seitenansicht'. Es war für mich wichtig, mich hier gegen die
Konvention zu richten, dass alles für den Betrachter 'in der Reihe' sein
soll, denn die Situationen meines Lebens waren oft chaotisch bzw.
undeutbar, oder je nach Betrachtungsweise unterschiedlich deutbar.
Das gleichzeitige Einnehmen verschiedener
Perspektiven innerhalb eines Bildes habe ich gerne genutzt und scheint mir
symbolisch den Perspektivwechsel erleichtert zu haben, der evt. zur
Distanzgewinnung nötig ist und diese vielleicht erst ermöglicht hat.